Darstellungen von Europäern auf Inro und Netsuke sind in bestimmten Werken dokumentiert, die das Rijksmuseum und das Metropolitan Museum of Art verzeichnen. Ein Inro zeigt einen niederländischen Kaufmann und eine portugiesische Figur. Zwei Netsuke zeigen jeweils einen Niederländer, der einen Hahn hält. Das V&A liefert den historischen Kontext für europäische Bildmotive auf japanischen Accessoires.
Zur Veranschaulichung: ein Inro mit Hahnmotiv aus der Sammlung von Supein Nihonto. Es handelt sich nicht um eines der unten besprochenen Museumsobjekte mit Darstellungen europäischer Figuren.
Einen ergänzenden Einblick in dekorative japanische Lackbehälter bietet unsere Inro-Sammlung.
Einleitung
Museumseinträge zeigen, dass europäische Figuren in der Edo-Zeit gelegentlich auf japanischen Inro und Netsuke dargestellt wurden. In den hier behandelten Beispielen werden die Figuren konkret benannt: ein niederländischer Kaufmann, eine portugiesische Figur, ein Niederländer mit einem Hahn und ein Niederländer, der einen Hahn in den Armen hält. Dieser Artikel hält sich eng an die Museumseinträge und schreibt den Objekten keine weitergehenden Bedeutungen zu, die in den Quellen nicht genannt werden.
Der historische Rahmen für europäische Figuren auf kleinen japanischen Objekten
Das Victoria and Albert Museum weist darauf hin, dass Japan nach 1639 auch unter sakoku nicht vollständig von ausländischen Einflüssen abgeschottet war. Dem Museum zufolge entwickelte sich rangaku, also das Studium niederländischen Wissens, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einer wichtigen intellektuellen Strömung, nachdem die Niederländer die einzigen Europäer geworden waren, die in Japan bleiben durften. In diesem Umfeld war die Vorliebe für niederländische Dinge laut dem Museum weit verbreitet. Dazu gehörten auch Darstellungen von Europäern auf modischen Accessoires wie Kämmen, Inro und Netsuke.
Ein Inro im Rijksmuseum mit einem Niederländer und einer portugiesischen Figur
Das Rijksmuseum verzeichnet ein japanisches Inro eines unbekannten Künstlers, das auf 1775 bis 1800 datiert wird. Es beschreibt das Objekt als fünfteiliges Siegelbehältnis mit Ojime und Netsuke. Auf einer Seite ist laut Beschreibung ein Hollandse koopman, also ein niederländischer Kaufmann, dargestellt, auf der anderen ein Portugees, also eine portugiesische Figur. Der Eintrag vermerkt außerdem, dass die Schnur nicht authentisch ist. Diese Angabe betrifft den heutigen Zustand des Objekts und ist keine Aussage über seine ursprüngliche Verwendung.
Ein Netsuke im Met mit dem Titel „Dutchman with a Rooster“
Das Metropolitan Museum of Art führt ein japanisches Netsuke unter dem Titel Dutchman with a Rooster. Die offiziellen Katalogangaben datieren das Werk in das späte 18. Jahrhundert und ordnen es der Edo-Zeit zu. Es wurde in Japan aus Elfenbein geschnitzt. Der Eintrag nennt die dargestellte Figur und die Objektdaten, erläutert aber nicht, warum der Niederländer zusammen mit einem Hahn dargestellt wurde.
Ein weiteres Netsuke im Met mit einem Niederländer, der einen Hahn hält
Das Met verzeichnet außerdem ein japanisches Netsuke mit dem Titel Netsuke of Dutchman Holding a Cock in His Arms. Wie das erste Beispiel wird es in das späte 18. Jahrhundert und die Edo-Zeit eingeordnet. Es stammt aus Japan und besteht aus Elfenbein. Entscheidend ist hier die konkrete Benennung im Titel: Die europäische Figur wird als Niederländer bezeichnet, der Vogel als Hahn.
Was diese Museumsunterlagen tatsächlich zeigen
Zusammengenommen zeigen diese Einträge, dass die Museen die europäischen Figuren auf Inro und Netsuke konkret benennen. Das Inro im Rijksmuseum zeigt sowohl einen niederländischen Kaufmann als auch eine portugiesische Figur. Die Titel der beiden Netsuke im Met bezeichnen die dargestellte europäische Figur jeweils als Niederländer. Daraus lässt sich keine einheitliche, feste Bedeutung für alle Beispiele ableiten. Die Quellen dokumentieren lediglich, dass bestimmte japanische Kleinobjekte konkret benannte europäische Figuren zeigen.
Warum diese Beispiele für Leser wichtig sind
Der Wert dieser Beispiele liegt in ihren konkreten Angaben. Das Rijksmuseum benennt zwei unterschiedliche europäische Figuren auf einem Inro, während das Met zwei Netsuke mit Niederländern verzeichnet, die Vögel halten. Das V&A ordnet europäische Bildmotive auf Accessoires in das breitere Interesse an niederländischen Dingen ein. Gemeinsam liefern diese Quellen historischen Kontext und einzelne Beispiele. Sie belegen weder, wie häufig die einzelnen Motive vorkamen, noch warum ein bestimmter Künstler sie wählte oder ob alle solchen Werke dieselbe symbolische Bedeutung hatten.
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