Nanban-Lack für Europa: der historische Bericht des V&A

Nanban-Lack für den europäischen Markt wird im historischen Bericht des V&A über Japans Begegnung mit Europa behandelt. Dieser Beitrag folgt dem Vergleich des Museums zwischen der allgemeinen Exportproduktion und bestimmten hochwertigen niederländischen Aufträgen, darunter die Van-Diemen-Dokumentenbox. Er gibt die Beschreibung des Museums zu diesen Beispielen wieder und ist kein Überblick über sämtliches japanisches Lackwerk, das nach Europa exportiert wurde.

Japanisches Lackkunstwerk als Beispiel: ein Inrō mit Hahn und Henne aus der Sammlung von Supein Nihonto. Dieses Objekt ist nicht als Nanban-Exportlack identifiziert.

Weitere japanische Lackarbeiten in einer anderen Objektform finden Sie in unserer Inrō-Sammlung.

Was die Bezeichnung für den Export aussagt

Dem Bericht des V&A zufolge waren portugiesische Händler von der Erscheinung und den dekorativen Möglichkeiten japanischer Lackarbeiten angetan und gaben Objekte für europäische Käufer in Auftrag. Der Begriff Nanban-Lack bezeichnet Lackarbeiten, die für diesen Markt bestimmt waren. Er verweist auf ein Handelsziel; allein aus der Bezeichnung lassen sich weder die Qualität eines einzelnen Objekts noch sämtliche Entscheidungen seines Schöpfers ableiten.

Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man einen Sammlungseintrag liest. Die Frage, wer ein Objekt in Auftrag gab oder erhielt, ist eine andere als die nach seinem Dekor. Wer beides auseinanderhält, vermeidet die Annahme, alle mit Europa verbundenen Objekte seien für denselben Kunden, Anlass oder Zweck entstanden.

Die Ausführungsqualität war nicht einheitlich

Das V&A beschreibt die Herstellung von Nanban-Lack im Vergleich zu japanischen Maßstäben als weniger zeit- und arbeitsintensiv. Das ist die vergleichende Einschätzung des Museums und kein Beleg dafür, dass jedes exportierte Objekt schlecht gearbeitet war. Der Bericht schränkt diese Aussage unmittelbar ein, indem er hochwertige niederländische Aufträge hervorhebt.

Der sinnvolle Vergleich besteht daher zwischen einer allgemeinen Beschreibung der Exportproduktion und einzelnen dokumentierten Aufträgen. Keine Seite dieses Vergleichs sollte zu einer absoluten Regel verallgemeinert werden. Eine Marktbezeichnung ersetzt nicht die Untersuchung des Objekts, seiner belegten Umstände und der in seinem Sammlungseintrag beschriebenen Techniken.

Die Van-Diemen-Box als dokumentierte Ausnahme

Das V&A nennt hochwertige Arbeiten, die in den 1630er- und frühen 1640er-Jahren für niederländische Auftraggeber entstanden. Als Beispiel dient eine Dokumentenbox für Anton van Diemen, Generalgouverneur von Niederländisch-Ostindien von 1636 bis 1645. Das Museum datiert die Box auf 1636–39 und führt sie unter der Sammlungsnummer W.49-1916.

Der Bericht hebt aufwendige Lacktechniken und ein Dekor hervor, das der japanischen klassischen Literatur entnommen ist. Daraus lässt sich präzise schließen: Ein europäischer Auftrag konnte anspruchsvolle japanische Handwerkskunst und japanische Bildthemen vereinen. Das Beispiel zeigt weder, dass alle niederländischen Aufträge diesem Vorbild folgten, noch dass sich die Qualität allein aus der Nationalität des Auftraggebers ableiten lässt.

Bestimmung und Dekor gemeinsam betrachten

Der ausländische Auftraggeber und das japanisch-literarische Dekor gehören zu demselben dokumentierten Objekt. Sie müssen nicht als gegensätzliche Identitäten verstanden werden. Der Auftrag erklärt die Verbindung zu einem europäischen Empfänger, während die Beschreibung des Dekors einen anderen Aspekt des Werks beleuchtet.

Für Interessierte an japanischen Lackarbeiten ist das ein hilfreicherer Ausgangspunkt als eine einfache Gegenüberstellung von Exportkunst und heimischer Kunst. Prüfen Sie, was tatsächlich über Empfänger, Form und Dekor dokumentiert ist. Wenn ein Eintrag eine Frage offenlässt, sollte man sie offenlassen, statt eine ansprechende, aber unbelegte historische Erklärung hinzuzufügen.

Die Erörterung beschränkt sich auf den veröffentlichten Bericht des V&A. Sie ist keine umfassende Studie zum Exportlack und legt keinen Produktionsstandard für jede Werkstatt oder jeden Auftrag fest. Andere Objekte müssen anhand ihrer jeweils eigenen dokumentierten Geschichte betrachtet werden.

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Quellen

Eric

Eric Majó

CEO von Supein Nihonto, Händler und Sammler antiker japanischer Kunst und Waffen aus Canillo, Andorra.

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