Ein netsuke kann auf wenigen Zentimetern ein lebendiges Gesicht, den sorgfältig modellierten Körper eines Tieres oder eine aufwendige Szene darstellen. Dreht man es um, wird jedoch ein weiteres Detail sichtbar: die Öffnung, durch die seine Schnur verlief.
Diese Öffnungen werden Himotoshi genannt. Sie verbinden die Skulptur mit ihrer ursprünglichen Funktion und laden dazu ein, zu untersuchen, wie der Schnitzer eine praktische Anforderung in ein Miniaturkunstwerk integrierte.
Manchmal verläuft die Schnur durch unauffällige Löcher an der Unterseite. Bei anderen Beispielen dient ein Zwischenraum innerhalb der Komposition selbst als Befestigungspunkt. Diese Unterscheidung verändert den Blick auf die gesamte Schnitzerei.
Was sind Himotoshi?






Die International Netsuke Society definiert Himotoshi als Öffnungen, die für den Durchgang einer Schnur angelegt werden. Meist handelt es sich um gebohrte Löcher, doch auch Zwischenräume innerhalb der geschnitzten Form können dieselbe Funktion erfüllen. Sie werden als natürliche Himotoshi bezeichnet.
Ihre Bedeutung wird deutlich, wenn man ein netsuke als Teil eines Ensembles hängender Accessoires betrachtet.
Das Netsuke diente als Knebel, der ein hängendes Accessoire, ein sogenanntes Sagemono, am Obi-Gürtel des Trägers hielt. Ein Inro war ein solches Accessoire. Die Schnur verband das Behältnis mit dem Netsuke; dazwischen befand sich eine Ojime-Perle.
Himotoshi gehören somit zur funktionalen Struktur des Objekts. Ihre Position verdient ebenso viel Aufmerksamkeit wie das Motiv, der Ausdruck und die Oberflächendetails.
Geschnitzte Schnurlöcher und natürliche Himotoshi
Bei der Suche nach dem Schnurdurchgang sind zwei Möglichkeiten zu unterscheiden: in das Material eingearbeitete Öffnungen und Zwischenräume innerhalb der Komposition.
| Ausführung | Worauf Sie achten sollten |
|---|---|
| Geschnitzte oder gebohrte Himotoshi | Gezielt angelegte Öffnungen, die häufig an der Rückseite oder Unterseite sichtbar sind. |
| Natürliche Himotoshi | Ein Zwischenraum innerhalb der skulpturalen Gestaltung, durch den die Schnur geführt werden kann. |
Das Wort „natürlich“ beschreibt, wie die Öffnung in die Form integriert ist. Es bedeutet nicht unbedingt, dass das Material bereits vor dem Schnitzen ein Loch aufwies.
Ein dokumentiertes Beispiel für natürliche Himotoshi
Ein hölzernes Netsuke eines liegenden Oni im British Museum veranschaulicht diesen Ansatz. Das Museum bezeichnet den Zwischenraum zwischen dem ausgestreckten Arm und dem Körper der Figur als natürliche Öffnung für die Schnur.
Dieses Detail ist interessant, weil die Haltung zwei Aufgaben erfüllt. Sie bestimmt das Erscheinungsbild der Figur und schafft gleichzeitig einen Durchgang für die Befestigung.
Betrachten Sie bei einer ähnlichen Ausführung den Zwischenraum und das ihn umgebende Material gemeinsam. Die Öffnung gehört zur Komposition, statt von ihr getrennt zu sein.
Warum sind manche Himotoshi unterschiedlich groß?
Bei vielen Beispielen mit zwei Schnurlöchern ist eine Öffnung größer als die andere.
Der Sammler John Neville Cohen erklärt, dass die größere Öffnung den Schnurknoten aufnehmen und verbergen kann. Bei den von ihm beschriebenen Beispielen ist der Durchgang zwischen den Öffnungen so gestaltet, dass sich die Schnur leicht einfädeln lässt. Der Hohlraum kann sich unter der Oberfläche erweitern, um Platz für den Knoten zu schaffen.
Das erklärt, warum sich die beiden sichtbaren Öffnungen unterscheiden können. Ihre Maße können mit der Art der Befestigung zusammenhängen.
Unterschiedlich große Löcher sollten jedoch weder als allgemeingültige Regel noch als Altersnachweis betrachtet werden. Cohen weist auch darauf hin, dass moderne Kopien diese Ausführung nachbilden können.
Die hilfreiche Frage lautet, wie die Öffnungen innerhalb einer bestimmten Schnitzerei funktionieren, statt lediglich zu prüfen, ob sie einer einfachen Checkliste entsprechen.
Warum das Zählen der Löcher irreführend sein kann
Zwei sichtbare Löcher sind eine vertraute Ausführung, doch verschiedene Netsuke-Formen erfordern unterschiedliche Betrachtungsweisen.
Das British Museum beschreibt ein Kagamibuta-Netsuke als Metallplatte, die in einen schalenförmigen Körper eingesetzt ist, mit einem Schnurloch an der Rückseite. Seine Konstruktion unterscheidet sich von einer aus einem massiven Körper geschnitzten Figur mit zwei deutlich sichtbaren Öffnungen.
Natürliche Himotoshi sind ein weiterer Grund, sich nicht allein auf die Anzahl der Löcher zu verlassen. Die funktionale Öffnung kann ein Zwischenraum um eine Gliedmaße oder ein anderes Gestaltungselement sein.
Bevor Sie zu dem Schluss kommen, dass ein Schnurdurchgang fehlt, betrachten Sie das gesamte Objekt und klären Sie seinen Aufbau.
Himotoshi als Teil der Gestaltung betrachten
Ein sinnvoller Ansatz zum Studium von Himotoshi besteht darin, zunächst die gesamte Skulptur und anschließend ihre Befestigung zu betrachten.
Untersuchen Sie ihre Position
Wo befinden sich die Öffnungen im Verhältnis zum Hauptmotiv? Sind sie unter dem Körper verborgen, an der Rückseite angebracht oder in einen offenen Zwischenraum integriert?
Halten Sie ihre Position fest, bevor Sie über deren Bedeutung nachdenken. Ein Foto der Unterseite ist wesentlich leichter zu verstehen, wenn es von einer Ansicht des gesamten Stücks begleitet wird.
Betrachten Sie die umgebende Schnitzerei
Untersuchen Sie, wie der Schnurdurchgang mit den benachbarten Details zusammenhängt.
Bei einer Figur kann die Öffnung zwischen Gewandfalten liegen. Bei einem Tier kann sie unter dem Körper angebracht sein. Bei natürlichen Himotoshi ist die Form der umgebenden Gliedmaßen oder anderer Elemente besonders wichtig.
Dies ist eine hilfreiche Übung, um die Gestaltung zu würdigen: Folgen Sie dem Übergang vom sichtbaren Motiv zum weniger auffälligen Befestigungsbereich.
Trennen Sie Beobachtung und Interpretation
Eine Beschreibung wie „zwei unterschiedlich große Öffnungen an der Unterseite“ hält etwas Sichtbares fest.
Eine Behauptung wie „diese Löcher beweisen, dass das Stück im 18. Jahrhundert getragen wurde“ geht deutlich weiter. Für diesen Schluss sind Belege nötig, die über die Öffnungen selbst hinausgehen.
Formulieren Sie Ihre Notizen präzise, insbesondere wenn Sie Fotos studieren, statt das Objekt unmittelbar zu untersuchen.
Fotos, die den Schnurdurchgang verständlich machen
Eine Frontalaufnahme kann das Motiv hervorragend zeigen, während die Befestigung unklar bleibt.
Für einen vollständigeren Eindruck sind folgende Ansichten hilfreich:
- Ein Foto des gesamten Netsuke.
- Eine klare Ansicht der Rückseite und Unterseite.
- Eine Nahaufnahme der Schnuröffnungen.
- Eine Schrägaufnahme, auf der natürliche Öffnungen sichtbar sind.
Bei natürlichen Himotoshi ist der Aufnahmewinkel besonders wichtig. Ein Zwischenraum, der aus einer Perspektive verborgen bleibt, kann in einer seitlichen Aufnahme deutlich erkennbar sein.
Wenn der Durchgang weiterhin unklar ist, bitten Sie um ein weiteres Foto oder eine Beschreibung. Führen Sie keine Werkzeuge ein und zwängen Sie keine Schnur durch ein antikes Objekt, nur um seinen Aufbau zu untersuchen.
Den Zustand beschreiben, ohne seine Ursachen zu vermuten
Notieren Sie beim Betrachten der Öffnungen sichtbare Absplitterungen, Risse, unregelmäßige Ränder oder schwer erkennbare Bereiche.
Beschreiben Sie diese Merkmale direkt. Beispielsweise ist „eine kleine Absplitterung neben der größeren Öffnung“ aussagekräftiger als eine unbelegte Erklärung, wie oder wann sie entstanden ist.
Ebenso reicht ein glatter Rand allein nicht aus, um eine Nutzungsgeschichte nachzuweisen. Zustand, handwerkliche Ausführung und Dokumentation sollten bei der Beurteilung eines einzelnen Objekts gemeinsam berücksichtigt werden.
Die Rückseite eines Netsuke würdigen
Himotoshi regen dazu an, über die fotogenste Ansicht hinauszublicken.
Sie zeigen, wie eine Miniaturskulptur ihre Befestigung aufnahm: durch einen unauffälligen Kanal oder einen in die Haltung integrierten Zwischenraum. Ihre Untersuchung lenkt die Aufmerksamkeit ebenso auf Unterseite und Rückseite wie auf Gesicht, Bewegung und geschnitzte Details.
Wenn Sie japanische Netsuke in der Sammlung von Supein Nihonto entdecken, vergleichen Sie diese weniger offensichtlichen Ansichten mit dem Hauptbild. Sie können helfen, das Objekt als vollständigen Entwurf zu würdigen.
Häufige Fragen zu Netsuke-Himotoshi
Was sind Himotoshi an einem Netsuke?
Himotoshi sind Öffnungen, durch die die Befestigungsschnur verläuft. Es kann sich um gezielt angelegte Löcher oder um Zwischenräume innerhalb der skulpturalen Form handeln.
Was sind natürliche Himotoshi?
Natürliche Himotoshi nutzen eine Öffnung innerhalb der Gestaltung, etwa den Zwischenraum zwischen Arm und Körper einer Figur, für den Durchgang der Schnur.
Warum ist ein Schnurloch manchmal größer als das andere?
Eine größere Öffnung kann Platz für den Schnurknoten bieten. Diese Ausführung sollte im Zusammenhang mit dem Aufbau des jeweiligen Netsuke betrachtet werden.
Haben alle Netsuke zwei sichtbare Schnurlöcher?
Nein. Natürliche Öffnungen und die Konstruktion von Formen wie Kagamibuta führen dazu, dass nicht immer zwei getrennte Löcher sichtbar sind.
Beweisen unterschiedlich große Himotoshi, dass ein Netsuke antik ist?
Nein. Moderne Kopien können unterschiedlich große Schnurlöcher nachbilden. Die Größe allein erlaubt keine Aussage über Alter oder Echtheit.
Welche Fotos sind für die Untersuchung von Himotoshi besonders hilfreich?
Hilfreich sind eine Gesamtansicht, Fotos der Rückseite und Unterseite sowie eine Nahaufnahme der Öffnungen. Eine zusätzliche Seitenansicht macht natürliche Himotoshi verständlicher.


