Beschreibung
Spätes Muromachi Wakizashi – Hitatsura Hamon, Den Bushū Shimobara Chikashige
Ein außergewöhnliches Wakizashi aus der späten Muromachi-Zeit, das einen weit ausgreifenden hitatsura-Hamon mit einer dokumentierten Zuschreibung an die Shimobara-Schule der Provinz Musashi verbindet.
Die Klinge ist mumei, wird jedoch durch ein formelles NTHK-NPO Kanteisho den Bushū Shimobara Chikashige zugeschrieben und in die Tenbun-Ära, etwa 1532–1555, datiert.
Das auffälligste Merkmal ist der hitatsura-Hamon: Die gehärtete Aktivität bleibt nicht auf die Schneide beschränkt, sondern breitet sich unregelmäßig in Form isolierter tobiyaki-Bereiche in das Ji aus und erzeugt dadurch eine außergewöhnlich lebendige Oberfläche.
Hitatsura Hamon
Hitatsura bezeichnet einen stark ausgeprägten Härtungsstil, bei dem gehärtete Bereiche über den eigentlichen Hamon hinausreichen und als voneinander getrennte Flecken oder wolkenartige Formen auf der Klingenseite erscheinen.
Diese isolierten Bereiche werden als tobiyaki bezeichnet und können sich durch das Ji und bei manchen Klingen bis in Richtung Mune erstrecken. Dadurch entsteht ein deutlich komplexeres Erscheinungsbild als bei einem konventionellen Hamon, der eng an der Schneide verläuft.
Bei diesem Wakizashi erzeugt die verstreute Härtungsaktivität eine dynamische Beziehung zwischen Yakiba und umgebendem Stahl und verleiht der Klinge einen besonders expressiven Charakter.
Hitatsura wird historisch mit dem breiteren Einfluss des Sōshū-den sowie mit späteren Schmieden verbunden, die während der Nanbokuchō- und Muromachi-Zeit aktivere und dramatischere Härtungsstile übernahmen.
Tobiyaki und Härtungsaktivität
Die Härtungsaktivität löst sich an mehreren Stellen von der Hauptschneide und bildet die für Hitatsura charakteristischen tobiyaki.
Anstelle einer einzigen durchgehenden visuellen Grenze erscheinen die gehärteten Zonen als unregelmäßige Flecken im Ji und erzeugen bei geeigneter Beleuchtung einen vielschichtigen, fast malerischen Effekt.
Diese Aktivität sollte aus verschiedenen Winkeln betrachtet werden, da das Verhältnis zwischen Hamon, Ji und den verstreuten gehärteten Bereichen unter Streiflicht besonders deutlich wird.
Midare-komi Bōshi
Die Aktivität setzt sich im Kissaki als midare-komi bōshi fort, wobei das unregelmäßige Härtungsmuster in die Spitze eintritt und mit einem ausgeprägten kaeri zurückläuft.
Die Fortsetzung der Härtung in den Kissaki verleiht der Spitze einen visuellen Charakter, der mit der aktiven Gestaltung der übrigen Klinge übereinstimmt.
Das tief zurücklaufende Kaeri bietet einen zusätzlichen Studienpunkt für Sammler, die sich mit dem Verhältnis zwischen Haupthamon und Härtung des Kissaki beschäftigen.
Itame Jihada
Unter der aktiven Härtung zeigt die Klinge ein dichtes itame jihada.
Die Schmiedestruktur bildet eine kontrollierte und vergleichsweise kompakte Grundlage für die deutlich expressivere Hitatsura-Aktivität. Unter geeigneter Beleuchtung wird die Oberfläche als feine, holzmaserungsähnliche Bewegung im Stahl sichtbar.
Der Kontrast zwischen relativ dichtem Jihada und weit ausgreifendem Härtungsmuster gehört zu den visuell interessantesten Eigenschaften dieser Klinge.
Den Bushū Shimobara Chikashige
Die NTHK-NPO schreibt die Klinge den Bushū Shimobara Chikashige zu.
Der Begriff den bezeichnet eine Zuschreibung an die Tradition oder Arbeitsweise dieses Schmieds und nicht das Vorhandensein einer erhaltenen Signatur, die den Hersteller unmittelbar nennt.
Bushū bezeichnet die Provinz Musashi. Die Shimobara-Schule arbeitete in einem Gebiet, das ungefähr dem heutigen Westen Tokios entspricht, insbesondere rund um Hachiōji.
Shimobara-Schmiede werden allgemein mit der Herstellung funktionaler Schwerter für regionale Krieger der späten Muromachi-Zeit verbunden und arbeiteten auch während der Edo-Zeit weiter.
Die Shimobara-Schule
Die Shimobara-Tradition entwickelte sich in der Provinz Musashi und ist historisch mit dem politischen und militärischen Umfeld des späten Hōjō-Clans verbunden.
Traditionelle Überlieferungen bringen die frühe Entwicklung der Schule mit Schmieden in Verbindung, die in der späten Muromachi-Zeit unter Hōjō-Patronage arbeiteten. Nach dem Untergang der Hōjō im Jahr 1590 setzte sich die Tradition in der Tokugawa-Zeit fort.
Mehrere Generationen von Shimobara-Schmieden verwendeten Namen mit dem Zeichen 重 (shige), darunter Chikashige.
Viele erhaltene Shimobara-Arbeiten werden für ihren direkten Aufbau und praktischen Charakter geschätzt. Vor diesem Hintergrund verleiht die umfangreiche Hitatsura-Aktivität dieser Klinge ihr innerhalb der Tradition eine besonders markante Stellung.
Späte Muromachi-Zeit / Tenbun-Ära
Das NTHK-NPO Kanteisho datiert die Klinge in die Tenbun-Ära, etwa 1532–1555, innerhalb der späten Muromachi-Zeit.
Dies war eine Zeit anhaltender militärischer Konflikte in Japan, in der regionale Schulen Schwerter für aktiv kämpfende Samurai herstellten und die Nachfrage nach funktionalen Klingen hoch blieb.
Die Verbindung praktischer Wakizashi-Proportionen mit einem ungewöhnlich aktiven Härtungsmuster macht dieses Stück in diesem historischen Kontext besonders interessant.
NTHK-NPO Zertifizierung
Die Klinge wird von einem formellen Kanteisho der NPO Nihon Tōken Hozon Kai (NTHK-NPO) begleitet.
- Organisation: NTHK-NPO – Nihon Tōken Hozon Kai
- Dokument: Kanteisho
- Zertifikatsnummer: 11.060
- Zuschreibung: Den Bushū Shimobara Chikashige
- Beurteilung: Shōshin
- Periode: Tenbun-Ära (ca. 1532–1555)
- Ausstellungsdatum: Reiwa 2 (2020)
- Unterzeichnet von: Direktor Miyano Teiji
Das Zertifikat liefert eine formelle Zuschreibung und zeitliche Beurteilung durch die NTHK-NPO und bildet einen wichtigen Teil der dokumentierten Geschichte der Klinge.
Japanische Registrierung
Das Wakizashi wird außerdem von seinem ursprünglichen Tōroku-shō der Präfektur Saitama begleitet.
- Präfektur: Saitama
- Registrierungsnummer: 38397
- Datum: Shōwa 47 (1972)
- Eingetragene Signatur: Mumei
Das Registrierungsdokument führt die Klinge als unsigniert, was dazu passt, dass die spätere Zuschreibung anhand der Arbeitsmerkmale und nicht anhand einer erhaltenen Mei erfolgte.
Hauptmerkmale
- Periode: Späte Muromachi-Zeit
- Zeitliche Zuschreibung: Tenbun (ca. 1532–1555)
- Typ: Wakizashi
- Signatur: Mumei
- Zuschreibung: Den Bushū Shimobara Chikashige
- Schule: Shimobara
- Provinz: Musashi / Bushū
- Hamon: Hitatsura
- Härtungsaktivität: Tobiyaki im Ji
- Bōshi: Midare-komi mit tiefem Kaeri
- Jihada: Dichtes Itame
- NTHK-NPO Zertifikat: Kanteisho Nr. 11.060
- NTHK-NPO Beurteilung: Shōshin
- NTHK-NPO Datum: Reiwa 2 (2020)
- Registrierung: Präfektur Saitama Nr. 38397
- Registrierungsdatum: Shōwa 47 (1972)
Zustand und Dokumentation
Die Klinge wird sowohl von ihrem japanischen Registrierungsdokument als auch von den NTHK-NPO Zuschreibungsunterlagen begleitet, sodass ihre dokumentierte Geschichte und fachliche Zuschreibung gemeinsam mit dem Schwert erhalten bleiben.
Die weitreichende Hitatsura-Aktivität, der Midare-komi Bōshi und das dichte Itame Jihada bilden die wichtigsten Merkmale für das Studium der Klinge.
Wie bei allen antiken japanischen Schwertern sollten kleinere Unterschiede in Politur, Oberflächenzustand und altersbedingte Spuren im Zusammenhang mit der historischen Lebensgeschichte der Klinge verstanden werden und nicht als moderne Herstellungsfehler.
Ein außergewöhnliches Hitatsura-Wakizashi der späten Muromachi-Zeit, von der NTHK-NPO den Bushū Shimobara Chikashige zugeschrieben und in die Tenbun-Ära datiert. Umfangreiche Tobiyaki, ein aktiver Midare-komi Bōshi, dichtes Itame Jihada und die dokumentierte Musashi-Zuschreibung machen es zu einer besonders interessanten Klinge für Sammler expressiver Härtung und regionaler Schwerttraditionen.



























